Bibliotan

Ein Chinese schreibt über Bibliothek auf Deutsch

Google – Feind oder Freund?

Posted by jintan on 6 January, 2007

(video: pmariel)

mit Google sind die Bibliothekare mächtig! aber ist Google für Bibliothek ein Feind oder ein Freund?

eine Seite verbessern wir mit Google die Bibliotheksservice, andere Seite übernimmt Google mehr oder weniger die traditionelle Aufgabe von Bibliothek. Im Studium lerne ich ein wichtiges Stichwort von Herrn Hobohm “Kundenorientiert”, ich glaube die amerikanischen Bibliothekare haben wahrscheinlich ein richtigen Weg ausgewählt…

9 Responses to “Google – Feind oder Freund?”

  1. CH said

    Das wichtige Stichwort solle Dienstleistungsorientierung lauten. Oder Benutzerorientierung. Der Begriff “Kunde” ist zumindest so, wie man ihn gemeinhin definiert, in diesem Kontext mehr als unangemessen. Die Schlußfolgerungen, die man aus einem Diskurs auf Basis dieses Begriffes erhält, sind somit zumindest fragwürdig.

    Siehe auch:
    Leser, Nutzer oder Kunde

  2. jintan said

    Lieber Herr Hauschke,

    vielen dank für Ihren Kommentar! nach dem Lesen von “Leser, Nutzer oder Kunde” stimme ich ihre Meinung zu.

    In der Schlußfolgerung habe ich wirklich nicht deutlich ausgedrückt, es soll die Frage von dem Titel beantwortet werden: welche Rolle spielt Google als ein Diestleistungsanbieter in der Informationsgesellschaft vergleich mit Bibliothek? Ist Google ein direkt Konkorenz für Bibliothek? was entscheidet die ganze Entwicklungsprozess? (ich bin der Meinung, es soll von “Dienstleistungsorientierung” entscheidet werden).

    Naja die Frage muss ich noch mehr damit beschäftigen…

  3. HC Hobohm said

    Lieber Herr Tan,

    bitte lassen Sie sich nicht verunsichern. Herr Hauschke zitiert aus Weiterbildungsunterlagen von vor über 10 Jahren, da hatte man in Deutschland in der Tat noch nicht von ServQual gehört und das Seminar war meines Wissens eines der ersten, das überhaupt den Begirff des Kunden thematisierte und in Gruppenarbeit mit den Teilnehmern hinterfragte. Interessanterweise belegt Herr Hauschke, dann auch noch die Fortsetzung seiner Argumentation mit Zitaten von einer studentischen Arbeit (sorry).

    Sie selber wissen, Herr Tan, dass wir in den Seminaren gerade den Begriff Kunde sehr differenziert diskutiert haben, und ich weiß, dass Sie das wissen. Zum Kunden gehören (eben leider) nicht nur 3,5 Begriffe, sondern eine ganze Reihe von Rollen von Personen oder Intsitutionen, die bei der Inanspruchnahme bzw. der Produktion einer Dienstleistung beteiligt sind.

    Leider ist das Bibliothekaren immer schlecht zu erklären. Sie erinnern sich an unsere Rollen- und Temperamentdiskussion im Managementseminar. Es ist ein großes Problem, und es macht mich zunehmend traurig, dass die Bibliothekswelt ausschließlich bei ihrer Angebotsorientierung und der Holbibliothek bleibt (allerdings betrifft das in Teilen auch die Dokumentare, die ihre alten Datenbanken weiter hochhalten, die keiner nutzt). Mit dieser Mentaliät geht in diesen Jahren gerade eine ganz wesentliche gesellschaftliche Institution verloren. Sie kennen meine Einstellung zum internationalen Vergleich: vor allem Deutschland tut das nicht gut.

    Eine andere Anmerkung: ich erlebe zunehmend Diskussionen wie diese im Web. Das was früher in InetBib vor großem Publikum veranstaltet wurde, läuft jetzt bilateral ab – mit dem Unterschied, dass das Publikum in InetBib doch noch schnell die Faktenhintergründe klären konnte. Das fällt dem einzelnen jetzt schwerer. Auch scheint Zitieren und wissenschaftliches Argumentieren immer weniger mit fachlichen Hintergrund bestückt zu sein: die Argumente bleiben genauso kurz wie ein Eintrag in NetBib + einem schicken Link. Zitiert und gelesen wird nur noch, was im Netz steht, ohne dass überprüft wird, um was es sich handelt. Aber das sollte Informationswissenschaftler doch noch können… oder? Das hängt im Übrigen sehr eng zusammen mit dem, was der Medienwissenschaftler Stefan Weber in seinem Buch: Das Google-Copy-Paste-Syndrom. Wie Netzplagiate Ausbildung und Wissen gefährden. Heise 2006 als “Plagiarismus, Redundanz, Bläh-Rhetorik: Zur Krise der Kulturwissenschaften durch den Einzug des Copy/Paste-Paradigmas” beschrieben hat. (vgl.: http://www.heise.de/tp/r4/artikel/24/24006/1.html)
    Aber eben nicht nur physisches Copy/Paste oder bloßes Plagiat, sondern die Einengung der Argumente auf “Strg + Taste”.

    Jedenfalls gibt mir so etwas zunehmend zu denken über Web2.0 – bzw. die aktuell verwendeten Tools.

    Schönen Gruß auch

    Ihr

    Hans-Christoph Hobohm

  4. jintan said

    Lieber Herr Hobohm,

    vielen Dank für die ausführliche Erklärung!

    Gruß

  5. CH said

    Warum sollte man sich nicht verunsichern lassen, Herr Hobohm? Verunsicherung ist eine gute Grundlage für Neugierde, Wissensdrang und somit Wissenschaft. Ich möchte den Begriff des Kunden auch nicht von vornherein und umfassend diskreditieren. Vielleicht ist er angemessen. Er wurde mir in bibliothekarischen Zusammenhängen nur noch nie hinreichend schlüssig definiert.

    Kleiner Exkurs: Da ich in obigem Artikel selbst schrieb, dass ein Artikel, auf den ich mich beziehe, online leider nicht erhältlich ist, und auch aus mehreren anderen Gründen kann, will und muss ich mir den obigen Schuh samt umliegender Anmerkungen nicht anziehen. Solcherlei Nebenschauplätze möchte ich aber im Sinne einer sachlichen Debatte gerne unberücksichtigt lassen. Daher zurück zum eigentlichen Thema:

    Sie (H.C. Hobohm) schreiben:
    Herr Hauschke zitiert aus Weiterbildungsunterlagen von vor über 10 Jahren, da hatte man in Deutschland in der Tat noch nicht von ServQual gehört und das Seminar war meines Wissens eines der ersten, das überhaupt den Begirff des Kunden thematisierte und in Gruppenarbeit mit den Teilnehmern hinterfragte.

    Die Fortbildung fand im Mai 1999 statt, wenn die Titelfolie stimmt. Entbindet das von der Notwendigkeit einer Definition? Sicherlich nicht. Und ich möchte für mein kleines Blogartikelchen auch nicht den Anspruch eines vollständigen Sachstandes der Diskussion erheben. Das wäre vermessen und das wollen Sie mir auch sicherlich nicht unterstellen.

    Interessanterweise belegt Herr Hauschke, dann auch noch die Fortsetzung seiner Argumentation mit Zitaten von einer studentischen Arbeit (sorry).

    Welche Arbeit meinen Sie damit? Der Artikel von Klaus Döhmer? Vielleicht war er Student, als er das schrieb. Ich weiß es nicht, aber das kann auch kein Relevanzkriterium sein.

    Doch genug der Formalia. Ich möchte nun zum für mich interessantesten Teil Ihrer Antwort kommen:

    Es ist ein großes Problem, und es macht mich zunehmend traurig, dass die Bibliothekswelt ausschließlich bei ihrer Angebotsorientierung und der Holbibliothek bleibt (allerdings betrifft das in Teilen auch die Dokumentare, die ihre alten Datenbanken weiter hochhalten, die keiner nutzt).

    Hier sind wir uns so einig wie Sie es sich wahrscheinlich nicht vorstellen können! Lethargie und Einfallslosigkeit sind oftmals Planungsgrundlage in informationsvermittelnden Institutionen. Hat das irgendwas damit zu tun, dass Benutzer nicht als Kunden benannt werden sollen? Ich befürchte eher eine gegenteilige Wirkung der Verwendung dieses Begriffes: Viele BibliothekarInnen schmücken sich mit modischem Vokabular und ruhen sich auf eben diesem aus.

    Sofern mit einer begrifflichen Ökonomisierung der Bibliothek das Ziel der besseren Dienstleistung verfolgt wird, kann und sollte man applaudieren. Aber es schleichen sich auch unangenehme Konnotationen ein. Ein Bürger hat Rechte. Ein Nutzer, der in erster Linie als Bürger zu sehen hat, hat diese auch. Einfach, weil er ein Bürger ist. Die Dienstleistung ist also (zumindest einigermaßen) voraussetzungslos. Der Begriff des Kunden enthält jedoch auch den Akt der Bezahlung, bzw. des Tausches. Aber ein Tausch findet in der Regel nicht statt. Ich kann mir auch keine Bibliothek vorstellen, die kostendeckend arbeitet und sich dennoch einigermaßen in mein Bild einer intakten akademischen oder öffentlichen Bibliothek einfügt. Bleiben würde ein Harry-Potter-Verschiebebahnhof oder eine mit Ratgeberliteratur gefüllte Halle. Die Bibliothek ist m.E. kein Unternehmen, und der Nutzer somit kein Kunde.

    Mit dieser Mentaliät geht in diesen Jahren gerade eine ganz wesentliche gesellschaftliche Institution verloren.
    Mit der oben angeführten Lethargie? Richtig. Daher sehe ich es als positiv, den informationssuchenden Menschen begrifflich zu bestimmen, ihn von allen Seiten zu durchleuchten. Wenn Sie den Begriff des Kunden, wie Sie anführen, in Ihren Seminaren ausführlich und differenziert betracht haben: Stellen Sie dies doch bitte einer Öffentlichkeit vor! Potential für Mißverständnisse gibt es genug, benötigt werden Definitionen.

    Einiges mehr zu diesem Thema schrieb ich Ihnen in meiner Mail. Ich schlage vor, wir besinnen uns auf dieses Medium, um Herrn Tans Gastfreundschaft in seinem Blog nicht über Gebühr zu beanspruchen, stehe jedoch auch hier und andernorts gerne weiter zur Verfügung.

    In der Hoffnung auf eine sachliche Weiterführung dieser Debatte,
    Christian Hauschke

  6. CH said

    Kleine technische Anmerkung: Ist das so beabsichtigt, das in per (cite) gekennzeichnete Zitate alle Worte mit einem Großbuchstaben beginnen?

  7. HC Hobohm said

    Leider hat es eben nicht nur mit Lethargie zu tun, sondern gerade mit dem nicht vorhandenen Marktverständnis.
    Und: verunsichern sollte man vielleicht gerade die junge Generation in dieser Hinsicht nicht.
    Und: wie offline gesagt mit einer definition kommen wir nicht weiter.

    Schönen Tag noch

  8. CH said

    Ein letztes Wort von mir in dieser Sache:
    Da Sie weder hier noch per Mail auch nur ein einziges Argument vorgebracht haben, dass wirklich auf die Thematik eingeht, gehe ich davon aus, dass Sie an einer ernsthaften Debatte nicht interessiert sind.

    Und wenn Ihnen wirklich etwas an der Zukunftsfähigkeit des Bibliothekswesens hierzulande liegt, sollten Sie der jungen Generation eigenständiges Denken empfehlen, und nicht blindes Vertrauen in das, was Ihnen von anderen vorgebetet wird.

  9. […] einigen Jahren sprechen wir “Kunden der Bibliothek” bzw. “Kundenorientierung” statt Bibliotheksnutzer. Ziel war klar, dass das Bibliotheksdienstleistung an die […]

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